Auto/BiografienAktuelle Ausgabe: Auto/Biografien

Dokushin …

... ist Jean Lessenichs Buddha-Name. Er bedeutet „als ein Geist“. Vielleicht auch weder Mann noch Frau. Vielleicht sowohl als auch. Jean Lessenich ist eine Pionierin – eine der ersten, die sich in Casablanca bei Dr. Burou einer sogenannten geschlechtsangleichenden Operation unterzog. In ihrer Autobiografie „Die transzendierte Frau“ erzählt sie davon, aber auch von ihrem Leben als Bub und junger Mann im ländlichen Deutschland davor, als Frau danach und davon, wie sie wieder als Mann lebte, um mit ihrer Frau Mori zusammen sein zu können. Sie erzählt von guten Freund_innen, die sie unterstützt haben oder die sie unterstützt hat, von ihrer Arbeit als Transidente in Werbeagenturen und als Grafikerin. Wichtig ist Jean Lessenich in ihrem Buch die Kritik daran, dass Menschen nicht genau das sein können, was sie wollen, denn, so sagt sie, als Transgender-Frau bist du immer Transgender, nie die Frau, die du eigentlich sein willst. Lessenich hat ein Buch geschrieben, das neben der persönlichen Geschichte wichtige Gesellschaftskritik formuliert. Wenn es auch beinahe banal ist, kann es nicht oft genug wiederholt werden: Gegenseitige Akzeptanz ist das Mindeste für halbwegs angenehmes Zusammenleben. Und: Wieso ist es eigentlich so wichtig, welches Geschlecht Menschen haben (wollen)? Paula Bolyos
 
Jean Lessenich: Die transzendierte Frau. Eine Autobiografie. 219 Seiten, Psychosozial-Verlag, Gießen 2012 EUR 17,40

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Slapstickfeminismus

In der eigenen Biografie verpackt Caitlin Moran Denkanstöße, die sie als feministisches Manifest verstanden haben will, mit dem Ziel, den Feminismus wieder „sexy“ zu machen. Aha. Naja... Für Leserinnen, denen das Thema bisher als wenig relevant erschienen ist, mag das ein brauchbarer Einstieg sein, denn unter der recht derben Sprache findet sich in erster Linie ein Haufen gesunder Menschenverstand, der fröhlich lockend zur Selbstbestimmung aufruft. Handtaschenkäufe, Körperenthaarung, Beziehungen, Belästigung am Arbeitsplatz, Geburt, Körperbilder sind nur einige der Themen die sie, stets aus ihren persönlichen und recht offen geschilderten Erfahrungen heraus, anschneidet. Leider scheint ihr der Witz in ihren Schilderungen oft wichtiger zu sein als eine differenzierte Auseinandersetzung, allerdings mit genügend „been there, done that“ Momenten, um ein zufriedenes Grinsen hervorzurufen. Lisbeth Blume
 
Caitlin Moran: how to be a woman. Wie ich lernte eine Frau zu sein. Übersetzt von Susanne Reinker. 384 Seiten, Ullstein Verlag, Berlin 2012 EUR 17,50

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Freigeist Friedelind Wagner

Die Doyenne der musikhistorischen Frauenforschung Eva Rieger hat mit diesem Buch die erste umfassende Biografie von Friedelind Wagner vorgelegt, der Enkelin Richard Wagners und Schwester der langjährigen Leiter der Bayreuther Festspiele Wieland und Wolfgang Wagner. Unter Einbeziehung vieler Dokumente aus dem Nachlass und in angenehm lesbarem Erzählfluss skizziert Rieger dabei höchst aufschlussreiche Facetten eines Frauenlebens im 20. Jahrhundert: zum einen konnte Friedelind (auch) auf Grund der ihr von Gesellschaft und Familie zugebilligten (Geschlechter)Rolle mit ihren künstlerischen Ambitionen, die vor allem im Bereich der Regie hervortraten, weder in Bayreuth noch außerhalb davon richtig Fuß fassen. Andererseits erscheint Friedelind als eine der wenigen der Wagner-Familie, die im Nazi-Deutschland aktiv Widerstand geleistet hat und unter schwierigen Bedingungen ausgewandert ist. In eindrucksvoller Weise wird geschildert, wie diese politische Kompromisslosigkeit ihr nach dem Krieg die Tore Bayreuths eher verschlossen als geöffnet hat. Die Verzahnung von politischer Geschichte und Wagner- Familientradition mit einer feministisch und frauenhistorisch interessierten und interessanten Erzählweise macht diese Biografie zu einem Gewinn, nicht nur für die akademische Wagner-Forschung, sondern auch für ein breiteres Publikum. Kordula Knaus
 
Eva Rieger: Friedelind Wagner. Die rebellische Enkelin Richard Wagners. 504 Seiten, Piper, München-Zürich 2012 EUR 25,70

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